Das COLERE Manifest
Wir kommen aus der Natur, doch wir kommen nicht fertig zur Welt.
Wir erben einen Körper, eine Sprache, Erinnerungen und eine Zeit, und im Leben mit anderen lernen wir die Welt immer wieder neu kennen und formen uns selbst. Hier entsteht Kultur: als zweite Natur, die wir gemeinsam hervorbringen.
Heute verändert Technik unser Leben schneller als je zuvor. Viele rechnen mit zwei unruhigen Jahrzehnten.
In solchen Zeiten verschwindet Kultur selten. Sie wird enger. Eine Logik aus Effizienz, Reichweite und Markt verdrängt nach und nach die anderen, und viele Lebensweisen werden in eine einzige Form gepresst. Kultur ist noch da; sie ist nur ins Stocken geraten.
Dabei war Kultur immer Plural: viele Leben, viele Versuche, viele Vorstellungen von Sinn und Schönheit, die zwischen Menschen wandern, aufeinanderprallen und einander nähren.
Damit sie in Bewegung kommt, muss jemand über eine Grenze gehen, hinaus aus dem eigenen Fach, der eigenen Sprache, dem vertrauten Lebensraum, und an fremde Türen klopfen. Diese Fähigkeit steckt in jedem von uns. Vielleicht ist sie die grundlegendste, die wir haben.
Wir glauben: Kultur wächst nie allein. Sie braucht Orte der Begegnung, Sprachen, in denen man einander versteht, und Raum, in dem Verschiedenes verschieden bleiben darf. Gemeinsam heißt, dass unsere begrenzten Blicke sich verbinden können.
Maschinen können vieles für uns tun. Teilhaben können sie nicht für uns.
Darum arbeiten wir an den Grenzen. Wir hören zu, bringen unterschiedliche Menschen und Organisationen zusammen, entwerfen Kooperationen, für die man sich gern einsetzt, und legen gemeinsamen Boden für Kultur, damit aus einer bewahrten Vergangenheit eine geteilte Gegenwart wird und eine Zukunft, die allen zugutekommt.
COLERE
Cultivating Culture in Common.
Cultivating | Pflegen
Wer etwas kultiviert, befiehlt dem Wachstum nicht. Man liest den Samen, kennt den Boden und schafft die Bedingungen.
Culture | Kultur
Kultur ist Samen und Boden zugleich. Sie lebt, solange Menschen sie nutzen, erzählen, um sie streiten und sie neu erfinden.
in Common | Im Gemeinsamen
Gemeinsam heißt nicht gleich. Es ist ein Boden, auf dem Verschiedene einander begegnen, aushandeln und miteinander etwas schaffen.